Die Geschichte des Dorfes Faid bis 1900. Bearbeitet von Peter Gärtner (ca. 1960)

Über die Entstehung und das Alter von Faid kann man nichts genaues sagen. Nach einer Sage soll der Name Faid von Fett herkommen. In früherer Zeit soll unser Dorf zur Herrschaft der Winneburger gehört haben. Die einzelnen Dörf er dieser Herrschaft mussten an die Burg Verschiedenes liefern. Faid hatte die herrschaftliche Küche mit Fett zu versorgen; daher der Name. Wahrscheinlicher aber ist die Vermutung, dass Faid von dem lateinischen Wort "feudum" abgeleitet wurde. Das bedeutet "Lehen". Der Namensforscher Marjan ist der Meinung, dass Faid von dem lateinischen Wort "fagus" her stammt. Dieses Wort heißt Buche oder Buchenwald. Ich schließe mich dieser Meinung an, weil sie mir am sinnvollsten erscheint.
Zum ersten Male findet sich der Name unseres Dorfes im Jahre 943 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Stablo. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1255 sagt aus, dass eine Dame ihre zu Vyde gelegenen Güter dem Kloster Himmerod schenkte. Marksteine, auf denen das Wappen des Klosters Himmerod eingehauen war, standen noch vor 80 Jahren in manchen Feldern.

In einem Vertrag zwischen "Feudt" und Bürgern von Klotten aus dem Jahre 1518 ist beurkundet, dass die Klottener ein Stück Land vor "Serberg" an die "Feudter" abtraten. Dafür lieferte unsere Gemeinde jährlich 3/4 Pfund Wachs an die Kirche in Klotten.


Faid bildete mit Cochem eine Gemeinde. In einem kurfürstlichen Erlass aus dem Jahre 1678 wurde erklärt, dass die Faider als Mitbürger zur Stadt Cochem gehören. Als Mitbürger von Cochem waren sie von den Amtsfronten verschont, mussten aber in Cochem Frondienste leisten. Als im Jahre 1720 das Amt Cochem, die Dörfer "Feydt" und "Sehl" heranziehen wollte, bei der Beschaffung des Geldes zur Bildung einer Miliz mitzuhelfen und die Junggesellen von "Feydt" und "Sehl" in die Liste der waffenfährigen Junggesellen eingesetzt wurden, beschwerten sich die beiden Dörfer beim Kurfürsten, worauf sie von dieser Last befreit wurden. Jedoch scheint es, dass der Streit mit dem Amte Cochem wegen dieser Angelegenheit sich wiederholte.

Wurde in Cochem ein neuer Bürgermeister gewählt, so hatten die Faider auf dem Rathause in Cochem zu erscheinen. Starb in Faid ein Geschworener, so mussten die Faider drei Leute vorschlagen, von welchen der Stadtrat einen auswählt, der am Eidkreuz bei Stadtrates vereidigt wurde. Die Förster für den gemeinsamen Wald wurden von Faid vorgeschlagen, vom Stadtrat gewählt und vereidigt. Bei Holzfreveln mussten die Bewohner von Faid sich vom Cochemer Stadtrat die Strafe ansagen lassen (Protokoll vom 7.4.1739). Nahm ein Bürger von Faid seinen Wohnsitz in Cochem, so hatte er nur das halbe Bürgereintrittsgeld zu zahlen, wie dies aus einer Quittung vom 17. November 1695 hervorgeht. Die Faider Bürger mussten in Cochem viele Fronarbeiten leisten. Bei Kirchen- und Schulbauten waren sie gezwungen "mit der Hand und mit Fuhrwerken" zu fronen. So mussten die Faider zusammen mit Cochemern, Sehlern und Dohrern die Kirche zu Cochem säubern. Auch die Kirchhofsmauer, das Leichenhaus und die Ausstattung der Kirche musste Faid unterhalten helfen. Als Cochem im Jahre 1739 ein neues Rathaus baute, mussten Faid und Sehl zum Bau beisteuern und Fronarbeiten leisten.
Mit der Stadt Cochem hatte Faid seinen Wald sowie das Wildland gemeinschaftlich. Am 29. März 1546 bestimmte Kurfürst Ludwig von Hagen, dass jeder Bürger von Faid, welcher einen Neubau errichte, aus dem gemeinschaftlichen Walde zwei Wagen Holz nehmen dürfte. Jedoch musste er dies vorher beim Bürgermeister in Cochem anmelden. Der schickte dann einen geschworenen Waldführer mit, der die zu schlagenden Stämme anhauen musste. Ein Urteil des kurfürstlichen Gerichtes vom Jahre 1718 bestimmte, dass Faid das benötigte Brenn- und Bauholz aus dem gemeinschaftlichen Wald entnehmen dürfte. Durch die Entnahme des Brennholzes scheint der Wald sehr gelitten zu haben. Im Jahre 1744 sah sich der Stadtrat genötigt, den Faidern die Entnahme des Brennholzes in "Daustert und Heinterwald" zu verwehren. Die Faider sollten nur an festgesetzten Waldtagen ihr Brennholz in "Serberg" entnehmen. Diesem Gebot widersetzten sich die Bewohner von Faid und nahmen nach wie vor ihr Holz aus den beiden Wäldern. Es kam zu argen Streitigkeiten. Protokolle wurden gemacht und Pfändungen vorgenommen. In einer Eingabe an den Kurfürsten klagten die Faider, dass einige Bürger in das Gefängnis gekommen seien. An einem Tage seien bewaffnete Cochemer, geführt vom Stadtschreiber in das Dorf gekommen und in das Haus eines gewissen Spengler eingedrungen, weil dessen Tochter beim Holznehmen im Hinterwald ertappt worden war. Sie hätten alles durcheinander geworfen und weil sie nichts Passenderes als ein Kalb im Stall vorfanden, dieses nach Cochem mitgenommen. Der Bescheid des Kurfürsten scheint aber für Faid nicht günstig ausgefallen zu sein, denn später fügten sie sich dem Verbot.
In den gemeinsamen Wäldern hatte Faid das Weiderecht. Schon 1523 hatte Erzbischof Richard von Greifenklau bestimmt: Sind Buchecker und Eicheln in dem gemeinschaftlichen Walde, so darf jeder Bürger von Faid zwei Schweine auftreiben, jeder Bürger von Cochem aber nur eins; jedoch dürfen die Faider keine fremden Schweine auftreiben, während die Cochemer das Recht haben, ihr Anteil zu verkaufen.

Im Jahre 1793 wurden die Wälder geteilt, jedoch beklagten die Faider zugleich, dass sie bei der Teilung benachteiligt worden seien. Sie hätten an Morgenzahl wohl mehr als ihr Anteil bekommen, an Güte könnte sich ihr Wald mit dem der Cochemer jedoch nicht messen. Schon gleich nach der Teilung beschwerten sie sich, die ins Land rückenden Franzosen und die darauf folgende Kriegszeit jedoch verhinderten die Verfolgung der Beschwerde. 1828 fand in Faid eine Versammlung zwischen Bevollmächtigten von Cochem und Faid statt um eine Einigung herbeizuführen. Die Faider meldeten ihren Anspruch auf "Schleimet" an, das infolge der Teilung Cochem gehörte. Um den Streit gütlich beizulegen erboten sich die Cochemer acht Morgen, 1/4 des Distriktes, abzugeben. Die Faider lehnten dies entrüstet ab, worauf die Cochemer ihr Angebot zurückzogen. Im Jahre 1832 wandte sich die Gemeinde Faid an die königliche Regierung zu Koblenz. Die Klage wurde jedoch abgewiesen, weil die Faider dadurch, dass sie ihren Wald nach der Teilung benutzt hätten, sich mit der Teilung doch einverstanden erklärt hätten.

Ein großes Gewicht legte Faid von je her auf das Weiderecht. Dieses erstreckte sich nicht allein auf die jetzige Faider Gemarkung, sondern ging viel weiter. In allen Gebieten, welche Cochem und Faid gemeinschaftlich gehörten, war auch das Weiderecht gemeinschaftlich. Die Faider Weide ging der Dohrer Grenze entlang über "Leykirst" und "Bleschur" bis an den Ellerbach. Mit dem Pflugvieh durften sie auf Sehler Land weiden bis vor Ebernach und dabei auf dem "Käsel-Bohr" bei Cochem ihr Vieh tränken (Vertrag vom 22. März 1719) .Da die Faider auf ihr Weiderecht nicht verzichten wollten, kam es oft zu Streitigkeiten. Im Jahre 1571 bestimmte Kurfürst Jakob von Eltz, dass Faid im Winter das Recht habe bis an die Cochemer Weinberge und bis auf die Wiesen im Endertbach zu weiden; im Sommer aber mussten sie auf dem Berge bleiben.

Als im Jahre 1575 der Jungherr Pfilipp zu Winneburg auf Winneburg eine Schäferei errichtete und der Schäfer von Winneburg öfter über die Grenzmarken weidete, nahmen die Faider ihm Hämmel, Böcke und Ziegen weg und verkauften sie, wie der Amtmann von Cochem ihnen geraten hatte. Dies taten sie so lange, bis das über weiden aufhörte.


Auch nach der Teilung der Wälder übte Faid auf Cochemer Wildland ungestört das Weiderecht aus. Um 1840 aber wurde es verboten, da nach Cochemer Behauptung Faid kein Recht dazu hatte. Trotzdem trieb der Faider Schafhirt das Vieh weiter auf Cochemer Wildland. Er wurde daraufhin protokolliert und vom Gerichte bestraft. Die Gemeinde Faid schickte nun einige Bürger nach Trier, um im kurfürstlichen Archiv nach den Aktenstücken zu suchen, welche ihnen das Recht zusprachen. In Trier wurden sie nach Koblenz verwiesen, da die preußische Regierung die Aktenstücke nach Koblenz habe bringen lassen. Aber auch dort war kein Aktenstück dieser Art zu finden, und das Weiderecht ging verloren. Cochem verpachtete später einen Teil dieses Wildlandes als Ackerland, einen anderen Teil ließ es als Wald anlegen. Erst im Jahre 1887 fand der damalige Vorsteher Peter Mund I. den betreffenden Akt in der Gemeindekiste.


Ein besonderes Recht besaß Faid noch bis 1900 im Klottener Wald und in der "Heinzheck", Privatwald von Müller aus Cochem. Die Faider durften nämlich in diesen Wäldern das junge Gras rupfen, wofür jede Familie aus Faid zur Osterzeit zwei Eier abgeben musste. Das eine bekam die Gemeinde Klotten, das andere Müller aus Cochem. Die betreffende Vertragsurkunde bewahrte der Vorsteher von Faid auf.


Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lag das Dorf Faid nicht genau an der jetzigen Stelle, sondern weiter nach Nordwesten, nach Allmet hin. Der Allmetsbrunnen war Dorfbrunnen und die Bohrgasse war Dorfstraße. Zu beiden Seiten derselben standen die Häuser bis an die Kirche. Noch heute findet man auf diesem Raum in der Erde Mauern und verbrannten Boden. Die Kirche stand am Ostende des Dorfes. Der um die Kirche liegende Kirchhof scheint, nach einzelnen Sätzen in alten Schriftstücken zu schließen, mit einer so hohen Mauer umgeben gewesen zu sein, dass hinter dieser die Bewohner in Zeiten der Not Schutz fanden. In diesem Kirchhofe wurden im Jahre 1689 nach der Eroberung der Stadt Cochem auch elf Bürger dieser Stadt, welche die Franzosen als Geiseln mit sich schleppten, während der Nacht untergebracht. Während der Belagerung der Stadt Cochem im Jahre 1689 durch die Franzosen hat auch Faid viel gelitten. Es hatte sich kaum etwas von dem großen Brand, welcher in einem der Jahre von1680 bis 1684 das Dorf fast ganz einäscherte, erholt, als die Franzosen vor Cochem erschienen. Das Hauptheer stand bei Faid. Die Franzosen legten damals zum Schutze gegen etwa heranrückende Truppen des deutschen Kaisers unterhalb Faid einen tiefen Schanzgraben an, dessen Reste noch lange vorhanden waren und vom Volke "Schinngraben" genannt wurde. Man konnte ihn bis vor "Perl" hin verfolgen, so dass er von dem Tal in "Fälschen" bis zu dem in "Travelle" ging und recht geeignet war, die nach Cochem zu liegende Hochfläche zu schützen. Groß muss das Elend gewesen sein, welches über die Bewohner unseres Dorfes herein brach. Das Dorf ging in Flammen auf und brannte vollständig nieder. Nur die Kirche blieb verschont. Wahrscheinlich hatten die Franzosen das Feuer angelegt. Im Hause des Kirchenmeisters Johannes Mund wurde das Kirchengeld aufbewahrt. Auch dieses verbrannte, wie ein Schriftstück vom 14. Mai 1709 besagt. Bei dem auf diesen verheerenden Brand folgenden Neubau der Häuser baute man sie weiter nach Osten um die Kirche. Die Bohrgasse kam damals vollständig aus dem Dorfe zu liegen.


Sehr schlimme Zustände scheinen im Anfange des 18. Jahrhunderts in unserer Gegend geherrscht zu haben. Im Jahre 1714 hatte Faid noch 138 Reichstaler für französische "Furage" zu zahlen. In einer Eingabe an den Erzbischof von baten die Bewohner von Faid und Dohr, ihre Osterbeichte in Faid ablegen zu dürfen, was ihnen der Pastor von Cochem nicht gestatten wollte. Sie sagten in diesem Gesuch, dass es nicht anginge, dass die starken Männer den Weg nach Cochem machten und das ganze Dorf „den Soldaten und Räubern als Beute überließen auch sei der Weg nach Cochem gefährlich wegen des herumstreifenden Diebes- und Räubergesindels.“


Großes Unglück brach am 13. Juli 1714 über Faid herein. Am selben Tag schlug der Blitz ein, so dass die Kirche und das ganze Dorf "ausgenommen Jakoben Sprenglers, Petern Mund, Johannsen Mundt Erben und Haus Jakoben Scheuren ihre Wohnungen, das ganze Dorf, alle Häuser, Scheunen und Ställe samt vielen Vieh, Kühe, Kälber, Lämmer und alles Hausgerät verzehret und verbrannt, mit- hin das ganze Dorf und die Einwohner in äußerste Armut und Verderben gestürzt wurden. Mit diesen Worten ist die Not in einem Bittgesuch an den Kurfürsten geschildert, in welchem um dreijährige Zinsfreiheit und um die Aufhebung der 138 Reichstaler gefleht wurde.


Im Jahre 1718 wurde auf Anordnung des Kurfürsten sämtliches Land gemessen. Nach der Messung wurde ein "Grund- und Extraktbuch" angefertigt. In diesem sind sämtliche Grundstücke nach Lage, Größe und Besitzer. aufgeführt. Von den Auswärtigen hatten damals in Faid Besitz: das Kloster Hirnrnerod, das Kloster Stuben, das Kloster Sieburg, das Stift zu Pfalzel und das jungfräuliche Kloster zu Karden. Das Jagdrecht besaßen die Herren von Metternich - Winneburg, ebenso das Fischrecht im Ellerbach, letzteres aber gemeinsam mit dem Kurfürsten von Trier.


Nach der Besitzergreifung der Franzosen im Jahre 1794 wurde den Klöstern das Land weggenommen. Die Felder dieser Güter hatten anschließend Marksteine mit den Buchstaben S.S. Es soll Scherer und Sittel heißen. Jedenfalls haben diese Cochemer Familien einen Teil der Güter von den Franzosen angesteigert. Der letzte Besitzer dieser Güter, Schausten aus Poltersdorf, ließ sie nach und nach versteigern, so dass sie bald Eigentum von Faider Bürgern wurden.


Besonders groß waren die Kriegslasten für unser Dorf während des siebenjährigen Krieges von 1756 bis 1763. Es ist ein genaues Verzeichnis vorhanden, genannt "Spectifikation der Gerneind Faith wegen der Kriegskosten." Ungeheuer sind die aufgeführten Abgaben an Heu und Stroh, Korn und Hafer. Besonders groß ist die Zahl an Vorspann- und Reitpferden, Karren und Wagen, welche Faid stellen musste. Außerdem gab es öfters Einquartierungen; 1757 siebzehnmal. Bei jeder Einquartierung musste das Dorf 10 bis 30 Gespanne beim Abmarsch stellen bis zur nächsten Station. Auchzu weiteren Fahrten wurden die Bürger gezwungen. So mussten sie Mehlsäcke nach Gießen, Hadamar und Limburg bringen. Fast jeden Tag erschienen einzelne Soldaten und ließen sich bewirten. Mehrmals hielt eine Kompanie im Orte vier Monate Winterquartier, zu welchem die Bürger alles liefern mussten: "Essen, Trinken, Holz, Geld, Roggen und Geschirr. Wahrscheinlich stammt dieses Schriftstück von dem damaligen Lehrer Johannes Freimuth.


Über die Kriegsjahre 1794 bis 1813 berichten alte Schriften folgendes: Da Faid an einer Straße lag, welche direkt von Mainz nach Köln über Senhals führte, hatte es besonders viel unter diesem Krieg zu leiden. Furchtbar sollen die französischen Soldaten gehaust haben. Lebensmittel, Futter usw. nahmen sie sich im Dorfe. Zum Glück hatten die Bewohner vor der Ankunft der Franzosen einige Kühe in Felsenhöhlen geschafft, welche sie zur Nachtzeit fütterten. Auch Lebensmittel hatten sie dort in Sicherheit gebracht Mädchen mussten sich lange Zeit vor den rohen Soldaten verborgen halten. Hatten die durchziehenden Soldaten Vorspann nötig, so nahmen sie den Bauern das Zugvieh weg und, wenn keiner vorhanden war, nötigten sie diese, die Wagen zu ziehen oder zu schieben. In der Nähe des Dorfes, auf dem Galgenkopf, sollen die Franzosen ein stehendes Heer mehrere Jahre unterhalten haben. Man fand dort beim Pflügen und Graben Uniformknöpfe und andere Soldatengegenstände. Die Flur des Dorfes, welche nach der Winneburg zu liegt, stand voller Obstbäume. Die größte Zahl dieser Bäume verbrannten die Franzosen in ihren Feldkesseln. Die Not im Dorfe war sehr groß. In dem "Jahrbuch für Landleute" aus dem Jahre 1808 glänzt Faid unter allen Dörfern des Rhein-Mosel Departements durch seine große Anzahl von Ziegen. Das Dorf war eben zu arm gewesen, um Kühe einzustellen.